"Das ist wie 10.000 Meter laufen und dabei Schach spielen."
(Karin Schmalfeld, Silbermedaille World Games 2005)

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Internationales Jugend-Trainingscamp in China

Internationales Jugend-Trainingscamp in China

Zum 2. Mal weilte ein deutsches Jugendteam zum internationalem Jugendcamp „Belt and Road- im Osten Chinas. Nach einem Aufruf auf der OL-DT.-Seite, der nicht nur für Spitzenläufer galt, ermutigte Cathleen ihren JoJo, sich für die Teilnahme zu bewerben, welche bald bestätigt wurde. Als dann der vorgesehene Betreuer ausfiel, gab es wieder einen Aufruf und da ich JoJo nicht so allein lassen wollte und auch noch nie OL in China gemacht hatte, übernahm ich das Amt.

Dachte so, gehste also mal mit zum Flughafen und fährst mit los. Nicht nachgedacht, denn da waren für die Jugendlichen Pässe zu besorgen, chinesische Einladungen und Hotelbestätigungen, Flugtickets, Anreise zum Flughafen Frankfurt, Schulfreistellungen, Infoschreiben, Elternbestätigungen für Minderjährige  und das Nervenaufreibendste war das Besorgen der Visas, da es grad mal neue Bestimmungen wegen der Hongkong-Probleme gab. Aber am Ende waren alle Vorbereitungen erledigt und es ging los.

Mit dabei außer JoJo und mir waren Marlene und Julia vom OL-Team Filder, Merle vom Post SV Dresden, Till und Niko vom USV Jena.

Im Vordergrund standen dort nicht unbedingt Spitzenleistungen bei den verschieden Trainings und Wettkämpfen, sondern das Kennenlernen verschiedener Trainingsmöglichkeiten, verschiedener Terrains, aber vor allem das Kennenlernen chinesischer Kultur, der Menschen, besonders der Jugendlichen, auch des Essens und natürlich das Knüpfen von Freundschaften mit den Sportlern aus 15 verschiedenen Ländern.

Also so, wie wir Älteren es noch aus dem Pionierlager kennen.

Eine Woche lang wurde am Vormittag entweder ein Trainings-OL oder ein kleiner Wettkampf organisiert, am Nachmittag und Abend erfolgten dann kulturelle Höhepunkte.

So gab es einen Team-OL im Bambuswald (gemischte Teams aus allen Ländern), einen Routenwahl-OL, einen Lauf zwischen Reisfeldern und Teichen oder einen Lauf durch ein uraltes Bauerndorf, welches ziemlich vermüllt war.  Die drei Wettkämpfe fanden jeweils in neu angelegten Parks mit vielen kleinen Seen, Hügeln und Brücken statt, die Parkkarten waren sehr exakt und die Routenwahlen meist anspruchsvoll. Diese Park-OL haben viel Spaß gemacht, allerdings interessierten sich die chinesischen Läufer nicht für Privatgelände, Felder, Mauern oder Beete, welche lt. Karte nicht betreten werden durften. Die Ergebnisse standen wie gesagt nicht im Vordergrund und so gab es bei uns keinerlei Gründe für Einsprüche oder gar Ausschlüsse. Zu den Wettkämpfen selbst starteten dann zusätzlich noch viele chinesische Läufer, aber auch Läufer aus mehreren OL-exotischen Ländern aus Südost-Asien wie aus Vietnam, Laos, Kambodscha, Indien oder Pakistan. Und auch aus mindestens 5 Ländern aus Afrika.

Die kulturellen Ereignisse waren vielfältig.  Es wurde die Gedenkstätte des Massakers in Nanking besucht, wo 1937 die japanische Armee Ostchina überfiel und es allein in der Stadt 300 000 Tote gab. Weiterhin ein erdgeschichtliches Museum, mehrere historische Tempelanlagen, historische Märkte, die größte Essigfabrik mit Museum Chinas. Dort wurden wir alle 120 Läufer am Eingang fotografiert und wir vermuteten schon den chinesischen Geheimdienst und guckten streng aus der Wäsche.  Nach dem Rundgang wurde aber jedem eine Essigflasche mit seinem Foto als Etikett zum Andenken überreicht. Die Fabrik war so groß wie ganz Wehrsdorf, ich wusste gar nicht, wie wichtig Essig ist, angeblich haben ihn Chinesen vor 3000 Jahren dort erfunden? Toll war ein Besuch der 2 km langen Fußgängerbrücke über den Jangtsegiang, welche anlässlich der olympischen Jugendspiele 2014 gebaut wurde. Beim Besuch zweier Schulen konnten wir die verschiedensten Kulturprogramme mit Musikinstrumenten, Tänze, Akrobatik, Aerobik und Gesang erleben. In verschiedenen Klassenzimmern wurde mit den Kindern traditionelle Kunst gebastelt , aber auch Tischtennis, Fußball und Basketball gespielt. Die chinesischen Kinder waren sehr begeistert über die ausländischen Besucher und wir konnten den Lerneifer, das Engagement und die Disziplin der Kinder bewundern. Mich erinnerte das an meine ganz frühe Schulzeit, als wir noch respektvoll aufstanden als der Lehrer ins Klassenzimmer trat, einigermaßen Ruhe hielten und stolz das blaue (hier Rote) Halstuch trugen. Ebenso spannend war eine Tai-Chi-Lehrstunde und ein Kung-Fu-Lehrgang für uns, wobei vor allem die drei Mädchen glänzten.                                                                                                                               

Unser Team verstand sich prima untereinander und auch mit den Sportlern aus den anderen Ländern, vor allem mit den Schotten,  Engländern, den Ungarn und den tschechischen Mädchen sowie den chinesischen Gastgebern gab es viele lustige Kontakte.

Ein besonderes Ereignis ist ja immer der Abschlussabend, wo alle Teilnehmer lange und ausgelassen die Bühne tanzend belagerten. Auch Josef war nicht schüchtern und diskutierte und tanzte mit. Die schwedische Delegation war ganz begeistert von den vielen Wehrsdorfer OL-Karten (jede Gruppe sollte etwas präsentieren) und sie wollen evtl. mal in ein Trainingscamp herkommen.

Für uns alle waren es tolle Erlebnisse und bleibende Eindrücke, JoJo war eindeutig der bessere beim mit Stäbchen essen, ich hab mich meist davor gedrückt.



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